Kürzlich war ich auf Dienstreise im Senegal. Mit unseren afrikanischen Partnern reisten wir von der Hauptstadt Dakar ins Landesinnere, um uns dort Lösungen zur Verbesserung der Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung anzusehen.

Dakar ist nicht nur eine große und moderne Stadt, sondern hatte zur Zeit meines Aufenthaltes auch das angenehme Klima eines milden europäischen Sommers. Nach drei Stunden Autofahrt in Richtung Süden erwarteten uns dann aber 40° im Schatten. Angesichts der strohgedeckten Hütten und Baobabs überall kam bei mir das Gefühl historischer Afrikareisender auf, deren Berichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert ich als Jugendlicher verschlungen habe. Allerdings hatten diese nicht wie wir fast durchgehend LTE-Empfang auf unseren Smartphones.

Aber auch etwas anders schien noch so wie zur Zeit von Heinrich Barth geblieben zu sein. Dieser musste, wenn er durch das Gebiet eines lokalen Volkes ziehen wollte, zuerst dem regionalen Oberhaupt seine Aufwartung machen und dessen Erlaubnis zur Durchreise bekommen.

Wir kamen nach Toubacouta, einem trockenen und staubigen Ort am Rande des Saloum-Deltas. Und unsere senegalesischen Begleiter machten uns klar, dass wir uns, bevor wir durch das Gebiet reisen und uns wie geplant Grundwasserprojekte anschauen konnten, zunächst beim Sous-Präfekten der Region vorstellen sollten. Dieser hörte sich interessiert unser Begehren an und ließ uns schließlich mit guten Wünschen weiterziehen.

Sous Prefet ABOUBACRY DIOP

Interessanterweise wiederholte sich das am nächsten Tag in ähnlicher Weise. Wir fuhren mit einer motorisierten Pirogge zu einer der Inseln im Flussdelta. Nachdem wir an Land gegangen waren, hieß es, dass wir zuerst der Königin von Sipo unsere Aufwartung machen müssten. Das taten wir gern, denn es war eine beeindruckende Begegnung, die fast Hundertjährige kennenzulernen.

Königin Fatou Mane

Es ist immer wieder faszinierend, wie zwischen all den modernen Lebensumständen im afrikanischen Alltag Traditionen und Gewohnheiten fortleben. Ich mag es und hoffe, dass sich so manches davon bewahren lässt.